
Bouchra Ouizguen, «Éléphant», Kaserne Basel, Foto: Tala Hadid
ProgrammZeitung aus dem Oktoberheft 2023, S. 13
Kultur zwischen zwei Ozeanen
Dagmar Brunner
Seit 20 Jahren vermittelt das Festival Culturescapes vielschichtige Einblicke in diverse Weltgegenden. Im Fokus steht erstmals die Sahara.
Es braucht einen langen Atem und ein dickes Fell, um ein Festival von der Breite und Komplexität wie Culturescapes jahrelang durchzuziehen. Jurriaan Cooiman, Gründer und Direktor des Grossanlasses (geboren 1966) kann das; der gebürtige Niederländer ist ein rastloser und neugieriger Kulturunternehmer, der auch Schwierigkeiten und Kontroversen nicht scheut. Fasziniert von Musik und weiteren Kultursparten des östlichen Europas organisierte er schon früh Veranstaltungen, unter anderem am Goetheanum, mit namhaften Gästen wie Sofia Gubaidulina oder György Kurtág.
Überzeugt davon, dass kultureller Austausch «eine Grundvoraussetzung für integrativere, offenere und gerechtere Gesellschaften» ist, realisierte er 2003 in Basel die Georgischen Musik- und Kulturtage, ein Festival, das seit 2004 Culturescapes (Kulturlandschaften) heisst. Fortan fand bis 2015 jährlich ein solches statt, beleuchtete hierzulande meist wenig bekannte Länder, Städte, Regionen und fand zunehmend schweizweit Partnerschaften. Heute umfasst das Netzwerk rund 40 Institutionen im In- und Ausland. In einzelnen Gastländern traten auch Schweizer Gruppen auf, was zu noch intensiveren Beziehungen führte. Seit 2015 wird Culturescapes biennal durchgeführt (ohne Corona-Unterbruch), und seit 2021 widmet sich das Festival nicht mehr Ländern, sondern grenzüberschreitenden Biomen (Lebensgemeinschaften, Ökosystemen) wie dem Amazonasgebiet und aktuell der Sahara.
Resilienz und Zukunftsideen.
Längst wird der Festivaldirektor von einem engagierten Team unterstützt, das sich aus wechselnden und festen Mitarbeitenden zusammensetzt, darunter Cooimans ukrainische Lebensgefährtin und Co-Kuratorin Kateryna Botanova. Im neu geschaffenen künstlerischen Beirat wirken jeweils Persönlichkeiten aus der Gastregion mit. Um den eigenen CO2-Abdruck zu kompensieren, ist Culturescapes am European Festival Forest beteiligt, das sich etwa der Aufforstung Islands widmet. Zudem werden keine Flüge gebucht, wenn nicht mindestens drei Gastauftritte möglich sind. Klimawandel, Urbanisierung und Dekolonisation sind auch wichtige Themen der nächsten Festivals.
Die Ausgaben von Culturescapes 2023 und 2025 befassen sich mit der Wüstenregion Sahara, die zwischen zwei Ozeanen liegt und in der einst ein Netz von Reiserouten Menschen verschiedener Kulturen beförderte und verband. Heute ist die Sahelzone umkämpft, der Alltag der Bevölkerung von Leid, aber auch Widerstandskraft geprägt. Wie lassen sich dennoch zukunftsfähige Wege gestalten? Ein dichtes Programm mit Musik, Tanz, Film, Literatur, Stadtführungen, Vorträgen und Publikationen lädt zu Information, Dialog und Begegnung ein.
17. Culturescapes: So 1.10. bis Do 30.11., Schwerpunkt Region Basel (aber auch übrige Schweiz, Deutschland, Frankreich, Belgien), www.culturescapes.ch









Highlight
Highlight
Highlight
Highlight
Highlight
Highlight
Highlight
Highlight
Highlight
Highlight