
Studierte zunächst Musikwissenschaften und Philosophie: Der Dirigent Titus Engel, Foto: Kaupo Kikkas
ProgrammZeitung aus dem Oktoberheft 2023, S. 12
«Ich hatte nie das Vorurteil, dass Neue Musik sperrig ist»
Jaronas Scheurer
Titus Engel dirigiert als neuer Principal Conductor die Basel Sinfonietta – das einzige Sinfonieorchester der Schweiz, das ausschliesslich auf Neue Musik spezialisiert ist. Die ProgrammZeitung hat ihm drei Fragen zum neuen Job gestellt.
Warum Neue Musik?
Titus Engel: Mich reizt es, die Musik zu machen, die jetzt gerade oder in den letzten Jahren geschrieben wurde: Die Musik unserer Zeit. Viele der grossen Orchester spielen hauptsächlich museale Stücke. Also Musik, die mindestens 100 Jahre alt ist. Mich hat immer das Neue interessiert, und ich hatte auch nie das Vorurteil, dass Neue Musik sperrig ist. Denn in dem Moment, wo man sich auf Musik einlässt, gibt sie einem immer was.
Die Basel Sinfonietta spielt ja aus Prinzip nur Musik nach 1950. Und in dieser Zeit gibt es grössere Unterschiede als zwischen Mozart und Wagner, eine unglaubliche Bandbreite. Und da nochmal genauer zu schauen, welche Stücke sich wirklich lohnen wieder aufzuführen, das interessiert mich. Dazu kommt die Programmgestaltung: Wie kann man durch die Konzertgestaltung zeigen, dass die zeitgenössische Musik nicht etwas Verkopftes, Anstrengendes ist, sondern im Gegenteil, etwas Sinnliches und Spannendes?
Warum Basel?
Ich kenne Basel relativ gut, weil ich schon oft am Theater Basel gearbeitet habe. Ich habe hier 2016 die Oper «Donnerstag» aus dem «Licht»-Zyklus von Karlheinz Stockhausen dirigiert, dann 2017 «La Traviata» von Giuseppe Verdi, 2019 die Uraufführung von Michael Wertmüllers Oper «Diodati. Unendlich» und im letzten Jahr dann «Freischütz» von Carl Maria von Weber unter der Regie von Christoph Marthaler.
Ich habe die Stadt sehr ins Herz geschlossen. Was ich besonders mag, ist die Kulturoffenheit, die Offenheit der Menschen. Es gibt ein Publikum, das interessiert ist und offen für Neues, auch gerade was die bildende Kunst, die Musik, das Theater betrifft. Und dafür gibt es auch eine Tradition zum Beispiel mit Paul Sacher, der sich mit unglaublich viel Energie für die zeitgenössische Musik eingesetzt hat. Ich denke, was Kunst und Kultur betrifft, ist es die spannendste Stadt der Schweiz.
Warum die Basel Sinfonietta?
Die Basel Sinfonietta ist das spannendste Orchester der Schweiz, weil es einerseits demokratisch organisiert ist. Das bedeutet, dass unglaublich viel Energie vom Orchester selber kommt. Und andererseits, weil ihre Offenheit und ihr Mut für spannende Programme und die Ausrichtung auf das Zeitgenössische einfach einmalig ist und total zu mir passt.
«Play Big!», Saisoneröffnung der Basel Sinfonietta unter
der Leitung von Titus Engel: So 1.10., 19 h, Sportzentrum Pfaffenholz, Saint-Louis (F), www.baselsinfonietta.ch









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